Der Deutsche Naturheilbund stellt bei den sechzehnten bundesweiten Aktionstagen für die Naturheilkunde das Wissen um die Lebenskraft Natur in den Mittelpunkt. Vom 16. September bis 5. November laden 16 regionale Naturheilvereine zu ideenreichen Veranstaltungen ein. Angeboten werden interessante Vorträge und Workshops, Verkostungen, begleitete Kräuterwanderungen, bis zu ganztägigen Events mit regionalen Ausstellungen.

Informieren Sie sich über die tollen Beiträge zum Tag der Naturheilkunde und besuchen Sie eine Vereinsveranstaltung.

Mosbach. Der seit 1995 bestehende Naturheilverein Mosbach und Umgebung e.V. präsentierte sich mit einem einladenden Infostand auf dem Mosbacher Wochenmarkt.

Im Vorfeld wurden Kräuter in Gläschen gesammelt und getrocknet, um diese Groß und Klein spielerisch nahe zu bringen und zum Schnuppern, Raten und Staunen einzuladen. Kleine Edelsteine wurden zur Belohnung verschenkt. An diesem sonnigen Tag konnte jede/r Besucher/in auch kostenlos das hiesige Quellwasser genießen.

Obwohl es den Naturheilverein seit 28 Jahren in Mosbach gibt, konnten vielen Standbesuchern/innen, vor allem junge Menschen, der Verein vorgestellt werden. Inspirierende Gespräche und die Herausgabe der Zeitschrift „Der Naturarzt“ wurden dankbar angenommen. Sie waren erstaunt über die Vielfalt der Themen, die der Naturheilverein in Form von Vorträgen, Seminaren oder Workshops anbietet und dass es einen eigenen Newsletter gibt.

Das gesamte Team war glücklich und sehr zufrieden mit der Präsentation vor Ort und vor allem, damit junge Menschen erreicht und mit naturheilkundlichen Themen bekannt gemacht zu haben.

Denn im Herbst wird der Naturheilverein noch zwei bedeutende interessante Themen für junge Familien anbieten:

Ein Online-Vortrag am 22.09.23 mit Frau Prof. Dr. med. Karin Kraft, Inhaberin des Lehrstuhls für Naturheilkunde an der Uni Rostock, zum Thema „Phytotherapie“ – pflanzliche Arzneimittel bei alltäglichen Erkrankungen im Kindesalter.
Am 21. Oktober folgt ein Tagesseminar zum Thema „Sofortmaßnahmen für Kinder bei Erkältungskrankheiten“ mit der Heilpraktikerin Karin Ried.

Weitere Informationen zum Verein und dem aktuellen Programm gibt es auf der Homepage unter www.naturheilverein-mosbach.de

Cornelia Schulz
Naturheilverein Mosbach und Umgebung e. V.

Rund 3 Milliarden Mal schlägt das menschliche Herz während eines 70-jährigen Lebens. Dabei pumpt es bei einem gesunden Jugendlichen in Ruhe pro Minute bis zu 5 Liter Blut durch den Körper und versorgt damit die Organe mit Sauerstoff, Nähr- und Botenstoffen. Im Alter nimmt die Herzkraft ab. Ein 70-jähriges Herz schafft noch rund die Hälfte, also 2,5 Liter Blut pro Minute. Die Leistungsfähigkeit des Herzens lässt also im Alter nach. Man spricht dann von Herzschwäche und Altersherz. Bemerkbar macht sich das an nachlassender allgemeiner Lebenskraft, also: weniger körperlicher Leistungsfähigkeit, schnellerer Ermüdbarkeit und Luftmangel beim Treppensteigen. Aber auch Atemnot und Wasseransammlungen in den Beinen können Zeichen für eine Herzschwäche sein. Aktiv werden! Spätestens bei den ersten Symptomen – viel besser aber bereits vorher – ist es Zeit, herzaktiv zu werden. Es müssen nicht unbedingt die häufig empfohlenen 10.000 Schritte am Tag sein. Studien haben jedoch gezeigt, dass das Sterberisiko bei Seniorinnen mit zunehmender täglicher Schrittzahl tatsächlich sinkt. Der Effekt lässt sich bis zu 7.500 Schritten am Tag sogar immer noch etwas steigern. Danach erreicht er statistisch gesehen ein Plateau. Was bedeutet das für jeden Einzelnen? Finden Sie das richtige Maß für sich: sanftes Ausdauertraining ohne Überlastung! Eine herzgesunde Ernährung gehört natürlich auch dazu. Manchmal müssen ärztlich verordnete Arzneimittel unterstützen, um das Risiko für schwere Herzerkrankungen zu senken. Natürlich mit Weißdorn, Strophanthus & Co. Der Weißdorn ist die wohl bekannteste Heilpflanze fürs Herz. Insbesondere aus den Blättern und den Blüten, aber auch aus den Beeren des einheimischen Strauches werden Tees und Arzneimittel fürs Herz hergestellt. In der Homöopathie kommen vor allem die frischen, reifen Früchte zum Einsatz. Strophanthus gratus ist ein weiteres bewährtes homöopathisches Mittel fürs Herz. Für dessen Herstellung werden die von dem grannenartigen Fortsatz befreiten, reifen getrockneten Samen eines Milchsaft-führenden tropischen Schlingstrauches verwendet. Die Früchte von Strophantus gratus sind reich an Strophanthin, einem Wirkstoff, der Ähnlichkeit mit den Digitalisglycosiden, also den Wirkstoffen des Fingerhutes, hat. Um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts hatte Strophanthin als „Herz-Kraftstoff“ einen sehr hohen Stellenwert bei der Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen: „Was Insulin für die Zuckerkranken, ist Strophanthin für die Herzkranken.“ Die Ärzte nannten es die „Milch für die alten Leute“. Heute wird es nur noch homöopathisch aufbereitet angeboten. Strophanthus und Crataegus sind zwei der insgesamt 7 Wirkstoffe in den Corvipas ® Tropfen, die bei Herz- und Kreislaufstörungen unterstützend eingenommen werden können.
Bärbel Tschech ist Diplom-Biologin bei Pascoe Naturmedizin

Vagus-Meditation nach Prof. Dr. Schnack und digitales Fasten – Chancen für mehr Lebenszeit und -energie

1. Teil: Die Vagus-Meditation im Gehen nach Prof. Schnack

Die neurophysiologisch begründete Vagus-Meditation nach Prof. Dr. Schnack ist eine Licht- und Klangmeditation, die durch Übungen im Gesichts- und Halsbereich in Sekunden wirkt und den Vagus, den Entspannungsnerv, der fast durch den ganzen Körper geht, stimuliert. Die Entspannung erreicht dann alle Organe, aber auch unser Geist kommt zur Ruhe. Wie diese Vagus-Meditation funktioniert und einfache Übungen wird Birgit Schnack-Iorio uns live online am 06. September vorstellen.

Nachfolgend bereits heute einige Hintergründe und praktische Tipps:

• Nach dem Mittagessen haben Sie vielleicht noch Zeit, 10 – 15 Minuten einen Vagusspaziergang in der Nähe Ihrer Firma zu machen. Frische Luft und die Bildung von Vitamin D durch Sonnenlicht (gerade im Winter) helfen Ihnen, neue Kraft für den Nachmittag zu tanken. Bitte konzentrieren Sie sich beim Gehen auf die Ausatmung (Vagus) und beginnen Sie den 9. Hirnnerv, den Zungen-Kehlkopfmuskel zu stimulieren, indem Sie summen wie eine Hummel. In einem weiteren Schritt können Sie die Vokale a, o, u tönen und das Kunstwort oh-ma-ha.

• Nach Ihrem Arbeitstag fahren Sie nicht gleich nach Hause, sondern begeben Sie sich in einen Park oder Wald – gerade hier schütten die Bäume Terpene aus, die Sie zur Ruhe bringen. Das Grün der Bäume tut Ihren Augen gut, nachdem Sie wahrscheinlich den ganzen Tag am PC saßen. Schalten Sie Ihr Smartphone aus – analoge Auszeiten sind heutzutage von großer Bedeutung. Im Zeitalter der Digitalisierung – Stichwort Industrie 4.0 – ist es lebensnotwendig, sich analoge Oasen im Alltag und am Wochenende/ im Urlaub zu schaffen – vor allem als Vorbild für Ihre Kinder ist es entscheidend, dass das Smartphone nicht immer Ihre Aufmerksamkeit bekommt.

• Bei Ihren Park- und Waldspaziergängen konzentrieren Sie sich auf die Ausatmung und schnurren wie eine Katze (Kehlkopfvibrationen) und beginnen zu tönen und zu singen. Es gibt eigentlich keinen Zeitmangel – ein Symptom unserer modernen Zeit, da wir alles schnell und zielorientiert angehen möchten – versuchen Sie durch die neurophysiologisch begründete Vagus-Meditation ein neues Zeitgefühl zu erlangen. Viele Übungen können Sie sich in der Vagus-Meditation alleine aneignen und in Sekunden funktioniert die Entspannung, aber das meditative Leben ist ein Lebensweg. Meditation als Lebensweg lernt man nicht autodidaktisch, sondern initiatisch, d.h. in der Anwesenheit einer anderen Person.

2. Teil: Digitales Fasten für mehr Lebensenergie und -zeit

Wir leben im Zeitalter der Digitalisierung. Digitalisierung soll in jedem Lebensbereich vorhanden sein und ist auch das wichtigste Projekt der Bundesregierung. Durchschnittlich ist der moderne Mensch drei Tage die Woche an seinem Smartphone und 70 Stunden am Computer beschäftigt – jeder weiß, wie viele unnötige Dinge er hier macht! Bei jedem Klick wird Dopamin ausgeschüttet, die Menschen sind süchtig, aber es ist ihnen nicht bewusst. Kinder lernen durch Vorbilder – wie kann man ihnen die Medien verbieten, wenn die Eltern selbst dauernd damit beschäftigt sind? WLAN gibt es bereits an Kindergärten und Schulen, über die negativen Folgen für die Umwelt, den Menschen und die Tiere soll hier nicht die Rede sein (siehe Diagnose-Funk www.diagnose-funk.org). Was können die Menschen tun? Sie können sich der oben beschriebenen Tatsache bewusst sein und dann ihren Smartphone-Gebrauch einschränken. Wir haben uns von einem sehr kleinen Gerät sehr abhängig gemacht. Wichtig wäre es aber, den richtigen Gebrauch mit diesem Gerät zu lernen. Man könnte sich zum Beispiel wieder einen Wecker kaufen. Und das Smartphone zu bestimmten Zeiten ausmachen: morgens, abends, bei den Essenszeiten, am Sonntag usw. Digitales Medienfasten gilt auch für die Massenmedien wie Fernseher und Zeitung – wir müssen nicht immer überinformiert sein. Wir gewinnen somit Lebenszeit und Lebensenergie, die wir alle dringend brauchen. Oft hat der moderne Mensch keine Zeit, er schwingt zwischen Arbeit und Urlaub und viele Menschen, gerade auch Familien mit jungen Kindern oder Alleinerziehende, sind total überfordert. Die neurophysiologisch begründete Vagus-Meditation nach Prof. Schnack und das Medienfasten können hier Abhilfe schaff en. Wir brauchen bewusst Ruherituale, in denen wir nicht gestört werden. Beginnen wir mit einem 15-minütigen Ruheritual ohne Smartphone in der Mittagspause. Wenn wir dann merken, dass uns die Vagus-Meditation gut tut, können wir weitere Rituale in den Tag einbauen – ab 18 Uhr kein Smartphone, keinen Fernseher, kein Radio und keine Zeitung, sondern eine sportliche Einheit in der Natur. Auch morgens lassen wir uns von einem Wecker wecken und frühstücken in Ruhe ohne Medien. Wenn wir nach einiger Zeit merken wie gut uns die Sache tut, könnten wir einen medienfreien Sonntag einrichten.
In Bezug auf das Smartphone möchte ich noch folgendes anmerken: Ich lebe seit immer schon ohne Smartphone und habe noch nie einen Nachteil verspürt. Längere Telefonate führe ich über Festnetztelefon mit Kabel und ich kommuniziere mit den Menschen über E-Mail – Whatsapp gehört zu Facebook – und wir wissen alle, dass die Daten bei META nicht sicher sind. Datenhandel ist ein großer Markt. Neuen Personen teile ich mit, wie ich kommuniziere. Ich denke, dass diese Nische in Zukunft ein Trend werden könnte – zum „fast food“ kam das „slow food“ – zur Superdigitalisierung- Transhumanismus- kommt der menschliche Dialog und die Natur, die wieder unser Vorbild sein sollte. Beginnen wir uns doch von unserer Sucht und Abhängigkeit zu lösen, indem wir uns medienfreie Auszeiten gönnen. Dann wird auch die Meditation besser funktionieren.

Birgit Schnack-Iorio M.A.

Bücher und Quellen:
– Prof. Dr. med. Gerd Schnack: Der Große Ruhe-Nerv – Sofort-Hilfen gegen Stress und Burnout (Kreuz-Verlag)
– Prof. Dr. med. Gerd Schnack: Rhythmische Meditation (Brendow Verlag)
– Prof. Dr. med. Gerd Schnack und Birgit Schnack-Iorio: Vagus- Meditation (Trias Verlag) – Buch und CD
– www.vagus-management.de
– www.diagnose-funk.org

Sind Sie bereit? Also Schuhe an, Türe auf und raus in die Natur. Nach wenigen Schritten sind wir bei einer Sommerwiese am Waldesrand angekommen. Hier gönnen wir zuerst unseren Augen ein „Grünbad“. Die Farbe Grün aktiviert in unserem Gehirn die Areale, die für Entspannung zuständig sind. Ins Grüne zu schauen, entspannt über die Vernetzung im Gehirn unser gesamtes Nervensystem. Der nächste Sinn, dem wir nun unsere Aufmerksamkeit schenken, ist das Riechen. Schnuppern Sie ganz bewusst die Gerüche des Sommers. Nehmen Sie einen Grashalm, eine Blume oder ein Blatt und lassen die verschiedenen Düfte auf sich wirken. Die ätherischen Stoffe der Pflanzenwelt stärken nachweislich unser Immunsystem. Wir sind jetzt am Waldesrand
angekommen und die Gerüche sind erdiger, moosiger. Im Wald sind die erwähnten Botenstoffe, die Terpene z. B., in einer viel höheren Konzentration vorhanden, deshalb gehen wir ein Stück auf einem schmalen bemoosten Weg in den Wald, um den gesunden Cocktail intensiv aufnehmen zu können. Halt! Dieser Weg ist doch geradezu eine Einladung, die Schuhe auszuziehen und auf dem weichen Moos ein Stück Barfuß zu gehen. Über unsere Fußsohlen mit ihren zahlreichen Nervenenden und Reflexzonen gelangen die gesunden Impulse dabei in unseren gesamten Körper und regen reflektorisch wohltuende Prozesse an: der Stoffwechsel wird aktiviert, der Blutdruck sanft gesenkt, das Immunsystem gestärkt, das Fußgewölbe gestärkt… ja, „unten ohne“ hat es wirklich in sich. Der kleine Weg führt uns wieder an den Waldesrand zu einer Bank im Schatten. Wir setzen uns und lauschen dem harmonischen Plätschern eines Baches in der Nähe. Nun dürfen sich unsere Ohren erholen, sie sind ja immer auf Empfang. Hinter der Bank entdecken wir Brennnesseln. Vorsichtig nehmen wir ein Blatt von oben, falten es zu einem Päckchen und stecken es in den Mund, keine Sorge, die Brennhaare sind so unschädlich gemacht. Die Brennnessel ist ein sicher zu erkennendes Heilkraut, das wir vom Frühjahr bis in den Herbst genießen können. Wie alle Wildkräuter ist sie ein wahres Kraftpaket und hat u.a. ca. 30-mal mehr Vitamin C als Kopfsalat. Hildegard von Bingen nannte die Wildkräuter mit ihren wertvollen Inhaltsstoffen nicht umsonst „Grünkraft“. Nun schlendern wir entspannt und gestärkt von Kopf bis Fuß den Wiesenweg zurück. Vielleicht spüren Sie ein innerliches Dankeschön für die Lebenskraft Natur, die Sie bei unserem Spaziergang mit allen Sinnen erfahren haben.
Christine Hack, Naturheilkundeberaterin DNB, Kursleiterin Waldbaden, Vorstand DNB und NHV Wannweil

„Wie schön, dass wieder Gesundheitsmessen stattfinden können! Wenn sich dann noch ein Team an Vereinsaktiven die Arbeit teilt und viele Freunde des Vereins und neue Interessierte an den
Stand kommen – so war es an diesem Sonntag – dann sage ich gerne: Es hat sich gelohnt“ so das Fazit von Sabine Neff , Team-Vorstandsmitglied des Freundeskreis Naturheilkunde im Schloss e.V.
mit Sitz in Neulingen bei Pforzheim. Veranstalterin Sigrid Bellitto („Naturheilkunde-Beraterin DNB“ und Fachfrau für Effektive Mikroorganismen) und ihr Mann Antonio wagten die Neuauflage
ihrer Gesundheitsmesse 2020 mit rund 40 Ausstellern, über 20 Vorträgen, einer Pflanzentauschbörse und einem lockeren Rahmenprogramm wie Bretonischen Gruppentänzen. Und bereuten
es nicht – an einem sonnigen, sommerlichen Tag Ende Mai fanden zahlreiche Interessierte den Weg in die Kämpfelbachhalle in Bilfingen. Der Freundeskreis Naturheilkunde war mit einem
breiten Angebot vertreten: Hauptanliegen war es natürlich, den noch recht jungen Verein (gegründet 2018) bekannt zu machen und auf das attraktive Veranstaltungsangebot in diesem Jahr hinzuweisen. So fanden über 500 Programmhefte interessierte AbnehmerInnen. Natürlich gab es am Stand Gesundheitsliteratur und -informationen, dazu eine Wasserverkostung und die Möglichkeit, sich auf dem bellicon-Minitrampolin zu lockern. Die Heilpraktikerin Renate Baas bereicherte den Stand mit Informationen zur Kiefergelenksentspannung R.E.S.E.T., über die sie auch einen Vortrag hielt. Gute Laune brachte eine Art „Klassentreff en“ von „Naturheilkunde-BeraterInnen DNB“ an den Stand, die sich spontan getroffen hatten und
nicht müde wurden, MessebesucherInnen von ihrer tollen Ausbildung beim DNB zu erzählen. Ein ereignisreicher Messetag für alle Beteiligten!
Sabine Neff , Mitglied Teamvorstand Freundeskreis Naturheilkunde im Schloss e.V.

Für Kräuterkundige oder die es werden wollen ist ein Besuch des Calendula Kräutergartens in Stuttgart-Mühlhausen stets zu empfehlen. Unter der sachkundigen Führung von Heilpraktiker Dieter Berweiler, dem Hausherrn dieses kostbaren wie großzügigen Refugiums über dem Neckar, fand sich im Mai eine Gruppe interessierter Mitglieder und Gäste der Naturheilgesellschaft Stuttgart ein, um etwa 160 Heilpflanzen in ihrer idealen Vegetationsphase zu erleben. Während der mehrstündigen Führung vermittelte uns der erfahrene Phytotherapeut, wie die Kräuter aussehen, womit man sie verwechseln kann, wie und wann sie geerntet werden, ihre Wirkung und welche Teile der Pflanze verwendet werden und ließ keine zusätzlichen Fragen offen.

Nur wenige Wochen später vermittelte uns Dieter Berweiler in einem Vortrag im Bürgerzentrum West hoch interessante Eigenschaften von DMSO (Dimethylsulfoxid) und die vielfältigen Möglichkeiten als natürliches Lösungsmittel zur Optimierung therapeutischer Extrakte. Die organische Schwefelverbindung hilft bei der Regeneration der Zellen und optimiert den Transport der Pflanzenextrakte. Die Kombination mit DMSO kann dort wirken, wo Extrakte allein nicht mehr greifen. Damit eröffnen sich neue Therapiemöglichkeiten in der Naturheilkunde. Das Interesse der Teilnehmer am Script zum Vortrag war entsprechend groß.

Alois Sauer, Naturheilgesellschaft Stuttgart e.V.

 

Bild: Kräuter zum Anfassen mit Dieter Berweiler (Foto A. Sauer)

„NATURHEILKUNDE VON EINST BIS JETZT“

Medizinisch historische Ausstellungen zu ausgewählten Bereichen der Naturheilkunde gibt es natürlich viel – doch eine Ausstellung, die den gesamten Bogen von 1750 bis in die Moderne spannt? Naturheilkunde-Klinikdirektor Prof. Dr. med. André Beer hat bereits 2016 diese wohl einzigartige Ausstellung zusammengestellt und nun dankenswerterweise in Form einer Schenkung an den DNB übergeben. So fanden nun rund 100 Exponate eine neue Heimat im Schloss Bauschlott und sollen von dort aus auch den Naturheilvereinen und anderen Interessierten zur Verfügung gestellt werden.

Nachstehend ein kleiner Eindruck über die Inhalte der Ausstellung: Der Philosoph Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) gab um 1750 mit seinen Gedanken und Worten Anstoß für die Idee der modernen Naturheilkunde, zum Beispiel mit folgender Aussage: „Orientiere dich in allem an der Natur und ihren Maßstäben und du wirst gesund und glücklich leben“. Verschiedene Ärzte griffen diese Forderung auf, in Deutschland u.a. Dr. Siegmund Hahn und schließlich entstand die sog. Hydropathie-Bewegung – hier standen Kaltwasseranwendungen im Vordergrund.
Erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden anstatt der „Hydropathie“ die Begriffe „Naturheilkunde“ und „Naturheilverfahren“ verwendet. In der Ausstellung erwähnt sind in dieser Zeitspanne namhafte Pioniere wie Dr. Lorenz Gleich, Vincenz Prießnitz, J. H. Rausse, Eucharius Ferdinand Christian Oertel und natürlich gibt es auch Bilder der ersten Wasserheilanstalt im Gräfenberg, die laut Kurator Prof. Dr. med. André Beer Vorbild für die Gründung von 60 weiteren Wasserheilanstalten in Deutschland und 40 in Österreich war.

„Man hat das volle Recht, von dem Auftreten Prießnitz an eine neue Epoche der Hydrotherapie zu datieren“ (Wilhelm Winternitz, 1888)

Der Fuhrmann Johann Schroth war ein Mitschüler von Prießnitz“ und fügte erste Formen der Ernährungstherapie hinzu. Der Buchhändler Adolf Just brachte die Heilerde-Therapie in die Naturheilkunde ein und gründete 1896 den ersten Jungborn im Harz. Es folgten (in der Ausstellung und in der Historie) Arnold Rikli mit der Licht- und Lufttherapie, die Ordnungstherapie mit Sebastian Kneipp und später Max Bircher-Benner.
Um 1850 gilt die Naturheilbewegung als abgeschlossen und es schließt sich die Lebensreformbewegung an: Weber und Pfarrer Sebastian Kneipp mit den Besonderheiten der gezielten Gusstherapie werden beschrieben und der Geschäftsmann Eduard Bilz, sowie die erste Frau als Naturärztin, Anna Fischer-Dückelmann.

„Erst als man den Zustand ihrer Seele erkannte und da Ordnung hineinbrachte, ging es mit dem körperlichen Leiden auch besser“. (Sebastian Kneipp)

Eine Akademisierung der Naturheilkunde zeigt sich ab 1900: Ärzte nahmen sich auf wissenschaftlichem Niveau der Naturheilkunde an. Im Dritten Reich entstand die sogenannte „Biologische
Medizin“. Sie bestand aus der Homöopathie, der Schüssler-Therapie und der traditionellen Naturheilkunde. Exemplarisch zeigt die Ausstellung das sogenannte „Dresdner Experiment“ mit dem Naturarzt Prof. Brauchle und dem Internisten Prof. Grothe. Hier arbeiteten Schulmedizin und NHK wohl erstmalig in der Geschichte wissenschaftlich und klinisch eng zusammen. Nach dem Krieg entwickelte sich im Osten überwiegend die Physiotherapie weiter und im Westen blieben die Naturheilverfahren erhalten (Hydrotherpie, Bewegungs-, Ordnungs-, Ernährungstherapie und Phytotherapie), wie Tafeln erläutern

„So merkwürdig es klingt: Erst in dem Maße, wie Schroth sich neben Prießnitz heraufarbeitete, geschah der Fortschritt vom Wasserheilverfahren zum Naturheilverfahren“. (Gunther Hildebrand, 1934)

Um 1950 fanden zu den klassischen europäischen Naturheilverfahren mehr und mehr ausländische Therapien den Weg nach Deutschland, was die Ausstellung dokumentiert. In die Praxen hielten Elemente der chinesischen Medizin wie „die Akupunktur“ und der indischen Medizin wie „Ayurveda“ Einzug. Man sprach nun von komplementärmedizischen Verfahren, bzw. der integrativen Medizin.
Die Zeitreise der Ausstellung schließt nach dem zweiten Weltkrieg mit einem Zitat des damaligen Lehrstuhlinhabers für Naturheilkunde in Deutschland Prof. Malte Bühring: „Die Naturheilkunde…zählt zu den bedeutendsten Medizin- und Therapieformen innerhalb der sogenannten Schulmedizin“. Dies soll auch diese Ausstellung verdeutlichen, nämlich dass es nur eine Form der Medizin gibt und Naturheilkunde und die konventionelle Medizin – die Schulmedizin – niemals getrennt waren, so Kurator Prof. Dr. med. André Beer.

Sabine Neff , DNB Bundesgeschäftsführerin

 

Foto: Prof. Dr. med. Beer bei der Übergabe der Exponate.